Inseldeutsch für Anfänger – Folge 2
Wer Norderney wirklich kennenlernen möchte, sollte nicht nur die Insel sehen, sondern auch ihre ganz eigene Sprache verstehen. In der zweiten Folge von „Inseldeutsch für Anfänger“ widmen wir uns erneut einigen besonderen Begriffen und Ortsbezeichnungen, die man auf Norderney entdecken kann.
Lüttje Lechten und Lüttje Dünen „Lüttje Lechten“ bedeutet so viel wie „kleine Dünen“. Auch die Bezeichnung „Dünentäler“ beschreibt eine typische Landschaftsform der Insel. Gemeint sind die tiefer liegenden Bereiche zwischen den Dünen. Als „vorgelagerte kleine Dünenkette“ werden die Dünen bezeichnet, die dem eigentlichen Dünengürtel vorgelagert sind.
Bahnhof Stellediek Der Bahnhof Stellediek war ein Bahnhof der Marinebahn. Er wurde 1913 erbaut und steht heute unter Denkmalschutz. Die Marinebahn gehörte einst zur besonderen Infrastruktur Norderneys und erinnert an eine Zeit, in der die Insel auch militärisch eine wichtige Rolle spielte.
Hier’n Fiern Die Bezeichnung „Hier’n Fiern“ verweist auf das Gelände beim Bahnhof Stellediek. Bis 1865 versammelte sich dort alljährlich am 10. August die Hofgesellschaft zu einem Picknick. Aus dieser Tradition soll sich der Flurname entwickelt haben. Frei übersetzt bedeutet „Hier’n Fiern“: „Hier sitzen wir und wollen feiern.“
Ruppertsburgerwäldchen Hinter diesem Namen verbirgt sich ein kleines Gehölz westlich des Bahnhofs Stellediek. Benannt wurde es nach dem Badeinspektor Ruppertburger, der sich bereits um 1830 um die Anpflanzung von Bäumen und den Schutz der Insel kümmerte. Das Wäldchen ist damit ein kleines Stück lebendige Inselgeschichte.
Bleutal Auch der Name „Bleutal“ hat eine ungewöhnliche Erklärung. Der Überlieferung nach sollen in diesem Tal einst blaue Blumen gewachsen sein. Außerdem wird von einer Jugendwehr aus der Zeit des Ersten Weltkriegs erzählt: Die blaue und die rote Division traten dort gegeneinander an. Da die Blauen meistens gewannen, soll sich daraus die Bezeichnung „Bleutal“ entwickelt haben.
Gaswerk und Gaswerkstuun Das frühere Gaswerk wird im Inseldeutsch als „Gaswark“ bezeichnet. Heute befindet sich dort die Lüttje Leegde. Die Gärten östlich des ehemaligen Gaswerks tragen den Namen „Gaswerkstuun“ und werden inzwischen als Kleingärten genutzt.
Viele dieser Begriffe wirken auf den ersten Blick ungewohnt. Doch gerade sie erzählen von früheren Landschaften, alten Gewohnheiten und besonderen Ereignissen. Wer aufmerksam über Norderney geht, entdeckt deshalb nicht nur Dünen und Strand, sondern auch eine Sprache voller Geschichte.
Fortsetzung folgt in der nächsten Ausgabe von „Inseldeutsch für Anfänger“.

