Solaro geht – und ein Stück Norderney-Alltag wird Geschichte

An den Schaufenstern in der Strandstraße stehen Sätze, die zum Nachdenken anregen: „Löschen Sie hier Ihren Einkaufsdurst“ und „Nachhaltigkeit heißt Verwenden statt Verschwenden“. Eine weitere Botschaft ist unübersehbar: Das Traditionsunternehmen Solaro schließt zum Jahresende. Auf der Insel ist die Nachricht schnell angekommen – und mit ihr ein großes „Schade“.

Ein Geschäft, das die Insel geprägt hat Was Ende 2026 endet, begann vor mehr als einem Jahrhundert: 1909 gründete August Solaro seinen Einzelhandel auf Norderney. Das Geschäft wuchs, musste im Ersten Weltkrieg zeitweise schließen, überstand 1917 einen Brand nach einem Flugzeugabsturz im Haus und öffnete 1918 erneut. In den Jahrzehnten danach wurde Solaro zu einer festen Adresse im Inselbild – mit einer langen Schaufensterfront, einem breiten Sortiment und einem besonderen Gespür für das Ungewöhnliche.

1932 zog das Unternehmen in das heutige Eckhaus Strandstraße 21, das frühere „Palastkaufhaus“ von Onno Behrends. Auch in schwierigen Zeiten, etwa während des Zweiten Weltkriegs, hielt die Familie das Geschäft am Laufen – notfalls mit Tauschhandel, der Aufnahme von Gästen und viel Improvisation. Nach dem Krieg folgte der Wiederaufbau, das Sortiment erweiterte sich um Haushaltswaren und elektrische Helfer, die Dienstleistung rückte stärker in den Fokus.

Neue Ära ab 2004 Ein entscheidender Wendepunkt kam 2004: Nach dem Tod von Karl-August Solaro und des Tierarztes Karl-Ludwig Solaro entschied die Familie, das Geschäft in der Hand zu behalten. Maria Schubert, Apothekerin von Beruf, übernahm die Leitung. Zusammen mit ihrem Mann Ulrich Schubert zog die Familie nach Norderney – eigentlich als spätere Rentenperspektive gedacht, aber genau zum richtigen Zeitpunkt.

Die Schuberts konzipierten Sortimente und Marken neu, bauten um und ergänzten das Angebot um hochwertige Haushaltswaren, Wohnaccessoires und Heimtextilien. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde in Anlehnung an die Tradition des alten Palastkaufhauses renoviert. Solaro stand fortan für Besonderes, Originelles, Seltenes – und für eine Beratung, die auf der Insel ihresgleichen suchte.

Vom Insel-Baumarkt bis zur Solar-Pionierzeit Oben im Haus entstand über Jahre ein regelrechter Insel-Baumarkt: Von der einzelnen Schraube in der passenden Größe über Spezialwerkzeug bis zum Schrubber bekam man fast alles. Zu besten Zeiten führte Solaro rund 25.000 Artikel. Doch das Wichtigste neben den Kundinnen und Kunden waren für die Inhaber stets die Mitarbeitenden.

2005 kam eine Elektrofachabteilung hinzu, 2008 der Betrieb Solaro-Neytec. Weil das Thema „Solar“ quasi im Namen lag, stieg das Unternehmen um 2010 in den Bau von Solaranlagen auf Norderney ein – eine Pionierrolle auf der Insel. 2018 musste dieser Bereich allerdings aus Personalmangel geschlossen werden.

Wenn der Laden zum Showroom wird Wie viele andere Geschäfte spürte auch Solaro die Folgen von Corona und Digitalisierung. Immer häufiger, so die Einschätzung von Ulrich Schubert, wurde der Laden zum Showroom: Menschen ließen sich beraten, schauten sich Produkte an – und bestellten anschließend online. Gleichzeitig war klar: In der Familie gibt es keine Nachfolger für das Geschäft.

Ein neuer Mieter, ein altes Gefühl Als Nachmieter für die Flächen konnte das deutsche Unternehmen Brax gewonnen werden. Nach Umbauarbeiten soll Ende Februar ein Flagshipstore eröffnen. Bis Ende Dezember läuft bei Solaro noch der Ausverkauf. Danach wollen Maria und Ulrich Schubert ihre neu gewonnene Freiheit genießen – nach 22 Jahren, die sie rückblickend als sehr erfüllend beschreiben.

Was bleibt „Viele spannende Leute kennengelernt, manche Freundschaft entstanden“ – so fasst Ulrich Schubert diese Zeit zusammen. Und für die Insel bleibt Solaro im Gedächtnis: in unzähligen Haushalten, in denen sich ein besonderer Teller, eine schöne Decke, ein praktischer Eimer oder eben jene eine spezielle Schraube findet, die es nur dort gab. Ein Geschäft schließt – aber ein Stück Norderney-Alltag lebt in diesen kleinen Dingen weiter.

Foto: Uwe Röers
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Foto: norderney-zs
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Foto: Archiv Foto
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